Mein neues Zuhause - Timpetu

Timpetu, der frühere Tierheimhund Rocky, ist jetzt 12 Jahre alt und gehört seit vier Jahren zu unserer Familie. Er wurde mit drei Jahren ins Tierheim gebracht, nachdem Frauchen und Herrchen gestorben waren und niemand in der Familie ihn haben wollte.
Er war ein richtiges Raubein, 30 Kilo schwer, voll Power und hatte seinen eigenen Kopf, nach dem alles gehen musste. Er war zudem ein gieriger Fresser, der einem die Leckerchen aus der Hand riss, wobei gelegentlich eine Jackentasche oder ein Stoffbeutel mitging.
Erziehung hatte er wohl nur wenig genossen. Was er verstand war „Sitz und Platz“, diese beiden Kommandos befolgte er schneller als man sie aussprechen konnte, offensichtlich wusste er, dass er dafür eine essbare Belohnung bekam.  Wir gingen fünf Jahre lang zweimal in der Woche mit ihm spazieren, zwischen Hasenlohe und Obernesselbach, zum Hausenhof und fast bis nach Langenfeld. Dabei sind mindesten 2500 km Gassigehen zusammen gekommen.
Einmal wurde er vermittelt, das ging aber schief, so blieb er weiter im Tierheim ohne Aussicht auf ein neues Zuhause. Wir hätten ihn gerne mit uns genommen, aber wir hatten mit Robinson schon einen kleinen Hund, der sich mit Timpetu nicht verstand.
 

Im Tierheim Unternesselbach war es eigentlich auch schön.

 

Als Timpetu schließlich 8 Jahre alt war, sahen wir kaum noch eine Chance für ihn, vermittelt zu werden. Er war auch nicht der Typ Hund, der sich gut darstellen konnte. Er sprang vor Begeisterung am Zaun einen Meter hoch, wenn es zum Spaziergang ging, hatte keine Zeit ruhig stehen zu bleiben, bis er angeleint war. Aus Frust, dass es nicht schnell genug ging, biß er in die Leine, zerrte und seine Zähne kam der Hand, die es gut mit ihm meinte, gefährlich nahe.
Wir setzten alles auf eine Karte. Das neue Herrchen holte Timpetu im Tierheim ab und marschierte mit ihm 10 km nach Neustadt, damit er Dampf ablassen konnte. Vor der Haustür wartete der kleine Robinson auf ihn. Er sträubte die Nackenhaare, bekam steife Beine und zog die Leftzen hoch. Und – oh Wunder – es gab überhaupt keine Probleme zwischen den beiden. Der große Timpetu erkannte den kleinen Robi sofort als den Rudelchef an und so ist es bis heute geblieben.

 

Robinson (li.) und Timpetu (re.)

 

Bald hieß Timpetu nur noch Timpi und gewöhnte sich sehr schnell ein. Einige seiner negativen Eigenschaften, die er fünf Jahre lang unverändert gezeigt hatte, waren innerhalb von wenigen Wochen verschwunden. So war er all die Jahre an der straffen Leine gegangen, nur wenn es ganz heiß und er entsprechend ermüdet war, hing sie leicht durch. Kaum hatte er sich bei uns eingelebt und daran gewöhnt, dass er dreimal täglich Gassi gehen durfte, hing die Leine locker über unserer Hand.  Er zieht nur noch, wenn sein Jagdtrieb mit ihm durchgeht. Am meisten hat uns verblüfft, dass er in unserem Haushalt nie versuchte, etwas Essbares zu stehlen, auch wenn er unbeaufsichtigt war. Mit der Hundetrainerin wurde vereinbart, dass er, wenn sein Futter zubereitet wird, nicht in die Küche darf. Er hält sich daran, liegt unter der Küchentür und freut sich, dass bald seine Futterschale kommt.

 

Im Laufe der Zeit bekam Timpi drei Schlaf- bzw. Ruheplätze, einen im Wohnzimmer, damit er immer bei der Familie sein kann, einen im Flur, wenn er alleine ist, damit er die Haustür bewachen kann, denn er ist ein ausgesprochener Wachhund. Leider ließ ihn der kleine Robinson nicht ins Schlafzimmer, das war für Timpi tabu, denn dort schlief Robi am Fußende auf Frauchens Bett, da hatte sein großer und starker Untergebener  nichts zu suchen. Nach ungefähr zwei Jahren, konnte Timpi sich dann neben Frauchens Bett doch einen Schlafplatz sichern, Robi war einige Tage krank und hatte nicht die Energie seinen Widerstand aufrecht zu halten.

Timpi neben Frauchens Bett, auf seinem Lieblingsschlafplatz

 

Zusätzlich besitzt er diverse  Kissen, die er unterweg fand oder geschenkt bekam. Kissen jeglicher Größe sind seine Leidenschaft. Wenn er aufgeregt ist, weil es Zeit ist für einen Spaziergang, dann schnappt er sich ein Kissen und trägt es zum Auto. Auf diese Art und Weise gelingt auch der Start zum Gassigehen in aller Ruhe.

Timpi schläft auf seinem neuesten Kissen

 

Und das ist sein größtes Kissen - wahrscheinlich aus einem Wohnwagen

 

Robinson und Timpetu - beide sind zwischen 12 und 13 Jahre alt

 

Nordik-Walking? Überflüssig für den, der Timpi hat. Einmal in seinem ersten Jahr bei uns, bei furchtbarer Hitze, nach langem Waldspaziergang auf verschlungenen Wegen, weit weg von Zuhause, endlich ein Weiher. Timpi wollte baden, Herrchen nicht und ließ die Leine los. Timpi nahm erst ein Bad und ging dann im Wald auf Wanderschaft. Weg war er, einfach weg. Herrchen war verzweifelt und diese Hitze. Er stieg ins Auto, fuhr herum, suchte und suchte. Nichts, alles vergeblich. Nur die Hitze blieb. Erst mal nach Hause, die Nerven kühlen mit heißem Kaffee. Dann zurück zum Waldparkplatz. Und, oh Wunder, das saß er! Nach vier Stunden, völlig verdreckt vom Weiherschlamm und trotzdem sah er Herrchen treuherzig an: Seit vier Stunden warte ich hier auf dich! Wo warst du denn die ganze Zeit? Endlich bist Du wieder da.

Am Beispiel von Timpetu kann man sehen, wie die feste Zugehörigkeit zu einem Rudel und natürlich das Gefühl von der ganzen Familie geliebt zu werden, einen Hund zum Positiven verändert.

 

Timpi, das Raubein, ist jetzt eine richtige Hundeseele

 

 

Text und Bilder  Beate Buer-Weber   Juni 2016